Wir haben den Beziehungsstatus in „es ist kompliziert“ geändert.

 

Ja du hast uns nach 29 Jahren endlich wieder einen Titel geschenkt. Das werden wir Dir natürlich nie vergessen. Es sind jetzt gerade mal 5 Monate seit diesem geschichtsträchtigen Tag vergangen, die entstandene Euphorie dadurch gleicht jetzt fast einem Scherbenhaufen.

 

Rollen wir mal die letzten Monate auf.

 

Dabei hat eigentlich alles so gut angefangen, vor allem neben dem Platz wurde hervorragende Arbeit geleistet. Der Streit im Aktionariat wurde beigelegt. Neue Leute komplettierten den VR. Es herrschte Ruhe. Schon fast Neuland für viele Fans. Trotz der Pandemie konnten wichtige Partnerschaften und Sponsorenverträge verlängert, sogar neue an Land gezogen werden. Der FCL war wieder spürbar geworden.

 

Sportlich wurde die Vorfreude auf die neue Saison noch befeuert durch die (endlich) frühen Transfers, die getätigt wurden. Die Lücken der Abgänge (Rücktritte Zibung, Schwegler) der Routiniers hat man wieder mit Routiniers kompensiert, und dies Wirtschaftlich auf schlaue Art, mit einem 1 Jahres-Arbeitspapier. Bei zwei Leihspielern wurde danach eine Kaufoption gezogen, die von Jordy Wehrmann, nachwievor ein vielversprechendes Talent. Die andere Leihe von Louis Schaub konnte, oder man muss schon fast sagen, durfte man auch der wirtschaftlichen Situation nicht ziehen. Schaub hätte auf sehr viel Geld verzichten müssen. (War vielleicht auch ein bisschen Pech mit dabei, dass Köln mit Baumgart einen Trainer geholt hat, der die Qualitäten von Schaub gut einschätzen konnte). Aber auch da wurde für das Niveau der Super League eine adäquate Lösung mit Campo präsentiert.

 

Nun, für was sich im Sturm verstärken, wenn man letzte Saison, nach YB, am meisten Tore geschossen hat? Was aber wenn sich die Stürmer verletzen und länger Ausfallen? Dieses Thema haben wir mehrmals schon angesprochen. Da es aber viele Gegentore gegeben hatte, geriet das „Stürmer-Problem“ in Vergessenheit. Auf der Torhüterposition musste ein bisschen „nachjustiert“ werden, wer konnte schon Ahnen dass Müller auch plötzlich zu den „langzeitverletzten“ gehören wird. Mit Vasic wurde eine, für Luzerner Verhältnisse, gute Nr.2 geholt. Nochmals eine GUTE NR. 2! Es wurde kein zweiter Müller verpflichtet. Klar man darf sich an dieser Stelle berechtigt die Frage stellen, wieso liess man einen Enzler zu Aarau ziehen? Diese Antwort kann uns nur Luzern und Simon Enzler selber geben. Die Spekulation wäre aber einfach, Enzler wollte sich endlich als Nummer 1 beweisen, was er beim FC Aarau kann und auch sehr gut macht.

 

«Platsch! Das Geräusch beim Aufschlag vom Boden der Realität»

 

Ja in Luzern träumen die Fans schnell einmal von „mehr“ als Platz 4,5,6 oder einem Cuptitel, das war schon immer so und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Anspruch und Realität liegen vielfach weit auseinander. Ist es diesmal aber anders? Ich würde sagen JA! Da vergleichsweise zu anderen Saisons, wie schon angesprochen, die Transfers früh eingetütet wurden, hoffte man zu Saisonbeginn auf ein eingespieltes Team. Gegen YB verlor man zu Beginn zuhause mit 3:4 aber wer genau hingeschaut hat, hat gesehen was mit diesem Team möglich wäre. Irgendwie lässt mich aber das Gefühl nicht los, dass dieses Spiel, diese Niederlage in letzter Sekunde einen mentalen „Knacks“ hinterlassen hat. Bei den Spielern wie auch beim Trainer.

 

Der Internationale Auftritt

International hat der FCL sicherlich mit Feyenoord Rotterdam einen Brocken zu gelost bekommen. Aber nach den beiden Niederlagen hörte man eher: „Ja die waren halt eine Nummer zu gross“, anstatt mal knallhart anzusprechen, dass man mit solch Leistungen auch gegen ein FC Drita Probleme gehabt hätte. Falls es der Anspruch sein sollte mal mehr als nur eine Runde weiter zu kommen, muss man halt zwingend anders auftreten, auch gegen den „vermeintlich“ grösseren Brocken.

 

Kaltstart FCL

 

„Alle Jahre wieder“ , so der Tenor, wenn man sich durch den digitalen-social-media-Blätterwald durchliest. Alle Jahre wieder ein Fehlstart des FCL und am Schluss ist man dann doch wieder International dabei. Ja aber seid Ihr es nicht langsam leid? Muss es denn wirklich jedes Jahr das selbe sein? Wäre es nicht auch mal schön eine Saison lang von Anfang an vorne Mitspielen zu können? Nein, man muss ja nicht gerade um den Meistertitel kicken. Aber irgendwann ist es doch auch mit der „Schönrednerei“ vorbei! Was aber auch nicht bedeuten muss, dass man mit dem Schwarzmalen loslegen kann. Ich denke nach dem Cupsieg war die Erwartungshaltung einfach zu gross. Dann kamen Namen wie Gentner, Campo und Badstuber und die Vorfreude auf die neue Saison war noch grösser. Daher mag der aktuelle Stand des Teams auch für viele so enttäuschend sein. 

 

Nach acht gespielten Runden drengen sich uns folgende Fragen auf.

 

Was hat Alounga eigentlich Trainer Celestini angetan um so wenige Chancen zu bekommen?

 

Spiel um Spiel steht Sorgic in der Startformation, man sieht es ihm förmlich an, dass er ausser Form ist. Die Captain binde ist für ihn eher eine Bürde als eine zusätzliche Motivation, auch wenn gleich die Dementis von Spieler und Trainer folgten.  Da wäre eine Verschnaufpause angebracht. Dann bringt man aber gegen Sion, zusätzlich einen zweiten Stürmer, namentlich Schulz! Ein Topspieler im zentralen Mittelfeld, defensiven Mittelfeld oder sogar als Innenverteidiger, aber doch nicht als Stürmer, in dieser Rolle fühlte er sich so unwohl wie Joel Wicki beim Synchronschwimmen. Alounga soll für knapp 0,5Mio CHF zum FCL gewechselt sein, warum also darf er nicht mal von Anfang an? Die Geschichte mit Schulz im Sturm dürfte nicht gerade das Selbstvertrauen von Alounga gestärkt haben. Da trägt der Trainer die Verantwortung.

 

Warum wieder so viele Verletzte?

 

Nun ja das Thema haben wir bereits einmal angesprochen. Es gibt zu viele Spieler die eigentlich ohne Fremdeinwirkung seit Wochen dem Team fehlen. Das wirft einfach gewisse Fragen auf. Es hiess zum Bsp. bei Ndenge, er habe sich im Training vor dem ersten Spiel einen Muskelfaserriss zugezogen, 3 Wochen Pause. Danach wurde es wieder ruhig um ihn, da erwarte ich auch ohne ein Nachfragen von Seiten der Fans, dass der Klub kommuniziert wie es um die Verletzten steht. Es fehlen Schürpf und Müller. Für viele mögen gerade diese Ausfälle der Grund überhaupt sein, dass Luzern noch nicht als Sieger vom Platz gehen konnte. Aber jetzt mal im Ernst. Ja es sind Leaderfiguren, aber es nur an diesen zwei Spieler abhängig zu machen, dass geht für mich nicht auf. Die Verletztenliste ist zwar beim FCL lang, doch habe ich das Gefühl, auch die Spieler die auf dem Platz stehen, können die Verletzen eigentlich ersetzen. Vielleicht nicht zu 100%. 

 

Wie hoch ist die Verunsicherung bei Spieler und Trainer?

 

Nehmen wir zu Anfang Lorik Emini als Beispiel. Gegen Sion verwandelt der Youngster einen Elfmeter, eiskalt in die linke untere Ecke. Um in dieser Situation Verantwortung zu übernehmen,  braucht es mentale Stärke. Das war Klasse. Aber den wenigsten ist Aufgefallen, dass Sorgic eigentlich der nominelle Schütze war. „Er fühlte sich nicht gut um den Penalty auszuführen.“ Sagte Emini später nach dem Macht bei einem Interview. Ja aber hallo, da läuten doch schon wieder die Alarmglocken. Der Captain, der das Team anführt und auch jedes Mal Rückendeckung vom Coach bekommt, fühlt sich nicht in der Lage den Elfer auszuführen. Versteht mich nicht falsch, ich finde es löblich, sich einzugestehen, nicht der richtige Mann dafür zu sein, in dieser Situation. Aber welchen Beweis braucht der Coach dann noch? Vielleicht staut sich auch eine gewisse Wut auf, bei gewissen Spielern und blockiert sie so? 

 

Taktik

 

Eines der grössten Fragezeichen. 19! Gegentreffer bei 8 Spielen. Das ewige "Ballhergeschiebe", die Ballbesitz-spielchen und hinten heraus Spielen. Es klappt nicht. Vielleicht täusche ich mich, aber für das System hat Luzern mit Knezevic den falschen abgegeben und die falschen dafür geholt? Hatte man nicht schon letzte Saison mit dem genau gleichen System angefangen, bis man gemerkt hat, es funktioniert nicht wie gewünscht? Wurde da nicht noch was geändert und man war plötzlich die beste Rückrundenmannschaft im März? Wieso bleibt der Trainer dabei so Stur? Erreicht der Trainer mit dieser Taktik die Mannschaft so überhaupt noch? Oder ist Sie mit diesem System einfach nur überfordert?

 

Trainerwechsel? 

Nein, ich rede nach 8 Runden nicht vom Abstieg oder von einem Trainerwechsel. Das kommt alles zu früh. Luzern hat eine konkurrenzfähige Truppe. Da braucht es jedes Zahnrädchen und Steinchen das funktionieren muss. Aber man darf nach diesen Auftritten kritischere Fragen stellen. Auch gewisse Transferentscheide schon zu hinterfragen macht noch keinen Sinn, obwohl man sich schon überlegt, warum denn jetzt ein Farkas nicht mehr von Anfang an spielt. Es mag sich jetzt "böser" anhören als es den Anschein macht. Celestini hat schon einmal begriffen, dass die Uhren in der Innerschweiz ein wenig anders laufen, er wird hoffentlich bald die richtigen Schlüsse ziehen und wenn er dann wieder aus dem Vollen schöpfen kann, gibt es spätestens in der Rückrunde wieder mehr zu Jubeln! Ich glaube nachwievor an die Mannschaft, an den Trainer und den Staff. Vielleicht sollten sie es gleich tun und den Glauben an sich wieder finden.

 

Hopp Lozärn!